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Pressemitteilungen

01.09.2020

Am 18. August 2020 wurde eine Folge des ARD-Politikmagazins Report Mainz mit dem Titel „Contergan-Skandal: Ärzte missbrauchten Kleinkinder für Medikamententests“ ausgestrahlt, bei der es um eine Anwendungsbeobachtung von Contergan in der Kinderheilstätte Maria Grünewald bei Wittlich ging. Wir möchten im Folgenden dazu gerne unsere vollständige Stellungnahme teilen:

Unser Kenntnisstand ist, dass vor der Markteinführung von Contergan auch Studien an Kindern vorgenommen wurden. Diese Studien waren zur damaligen Zeit nicht unüblich. Anwendungsbeobachtungen in Kliniken und Heilstätten wurden nach der Markteinführung von Contergan in Deutschland, nach unserer Kenntnis, vereinzelt durchgeführt. Im Fall der Kinder- und Jugendheilstätte Maria Grünewald in Wittlich, wurde der Einsatz von Contergan an Kindern zur Unterstützung der Tuberkulose-Therapie durch die Ärztin Dr. Ingeborg Schiefer beobachtet. Das Ergebnis der Beobachtung wurde in der Fachpublikation „Die medizinische Welt“ (24.12.1960/Nr. 32/59) veröffentlicht.

Aus heutiger Sicht sind Medikamentenerprobungen an Kindern, wie sie in der Kinderheilstätte in den 50er bis 60er Jahren durchgeführt wurde, nicht mehr nachzuvollziehen und entsprechen nicht den aktuellen strengen, ethischen Grundsätzen der Arzneimittelforschung und -entwicklung. Die Studien an Kindern geschahen in einer Zeit, die sich von der heutigen grundlegend unterscheidet. Das Wissen um Sicherheit von Medikamenten war längst nicht so stark entwickelt: Es gab beispielsweise keine Arzneimittelgesetze, die Tests von Medikamenten regelten. Die Entwicklung und Testung von Contergan entsprachen nach unserem Kenntnisstand dem damals gültigen Wissen und Standards.

Gleichzeitig wollen wir darauf hinweisen, dass auch heute noch die Wirksamkeit und Sicherheit eines Arzneimittels in klinischen Studien an Kindern erprobt werden, wenn eine Zulassung für Kinder vorgesehen ist. Mehr dazu finden sie hier in einer Information der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. zu den heutigen Standards.

Die Thalidomid-Tragödie wird immer Teil unserer Unternehmensgeschichte bleiben. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, weshalb wir uns allen Facetten der Contergan-Geschichte annehmen. Mehr zu unserem Engagement und den Hintergründen zur Thalidomid-Tragödie finden Sie hier: https://www.contergan-skandal.de/de-de/unsere-verantwortung