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Zuhören, begleiten, stärken

„Aus unserer Geschichte erwächst eine besondere moralische Verantwortung. Diese ist für uns Verpflichtung und Antrieb zugleich. Danach handeln wir: durch konkrete Unterstützung im Alltag, durch Zusammenarbeit mit den Betroffenenverbänden und durch einen offenen Dialog – auf Augenhöhe.“ [Stephan Frings, Head of Foundations Management]

Unterstützung heute

Heute gibt es für Contergan-betroffene Menschen ein internationales Unterstützungssystem: In Deutschland und über 40 weiteren Ländern sorgt die staatliche Conterganstiftung der Bundesrepublik Deutschland mit einer monatlichen Conterganrente für eine stabile Basis. In vielen weiteren Ländern existieren eigene Programme –je nachdem wie Thalidomid damals in dem jeweiligen Land vertrieben worden war, geschieht dies durch Regierungen, Stiftungen oder ehemalige Lizenzpartner. Die Grünenthal-Stiftung ergänzt diese Systeme durch individuelle, alltagsnahe Unterstützung: bei Wohnraumanpassungen, Mobilität und persönlicher Begleitung. Die Leistungen der Grünenthal-Stiftung stehen allen anerkannten Betroffenen offen, unabhängig davon, in welchem Land sie leben.

Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Contergangeschädigter. Im Dialogforum und in gemeinsamen Projekten – wie dem digitalen „Ort des Wissens“ – fließen Erfahrungen zusammen, werden Bedarfe sichtbar und neue Ideen angestoßen. So ist die Grünenthal-Stiftung eine „lernende Organisation“, die ihre Angebote weiterentwickelt und sich an den Herausforderungen von morgen orientiert.

Internationales Unterstützungssystem

In Deutschland erhalten Betroffene eine monatliche Conterganrente durch die staatliche Conterganstiftung. Im Jahr 2025 waren es maximal 10.017 Euro im Monat – abhängig von der Schwere der Behinderung. Seit 2017 existiert zudem eine weitere finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung für sogenannte spezifische Bedarfe. Auch heute noch können Anträge auf Anerkennung gestellt werden. Die medizinische Kommission der Conterganstiftung prüft dann, ob alle für die Leistungen erforderlichen Kriterien erfüllt sind.

In den Ländern, in denen Thalidomid zur damaligen Zeit durch Grünenthal oder seine Lizenzpartner vermarktet wurde, gibt es finanzielle Unterstützungsprogramme. Sie unterscheiden sich von Land zu Land:

  • In den Ländern, in denen Grünenthal oder seine damaligen Vertriebspartner Thalidomid-haltige Produkte verkauft haben, steht finanzielle Unterstützung durch die staatliche deutsche Conterganstiftung zur Verfügung. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Betroffene in über 40 weiteren Ländern, darunter Belgien, Österreich, Chile oder Brasilien.
    So hat sich Grünenthal damals an der Conterganstiftung beteiligt
     
  • In Ländern, in denen Lizenznehmer ihre eigenen Thalidomid-haltigen Produkte auf den Markt gebracht haben, leisten diese Unternehmen finanzielle Unterstützung, teilweise gemeinsam mit der betreffenden Regierung. Solche Regelungen existieren zum Beispiel in Großbritannien, Australien, Neuseeland und Schweden.
     
  • In Ländern, in denen andere Unternehmen, die in keinerlei Verbindung zu Grünenthal standen, unabhängig Nachahmerpräparate auf den Markt gebracht haben, werden Betroffene in der Regel vom jeweiligen Staat unterstützt – zum Beispiel in Italien und teilweise in Spanien.

Die Leistungen der „Grünenthal-Stiftung zur Unterstützung von Thalidomidbetroffenen“ stehen allen Betroffenen offen, die von der Conterganstiftung oder in anderen Ländern von Institutionen, die nach vergleichbaren Kriterien bewerten, anerkannt wurden, zum Beispiel durch den britischen „Thalidomide Trust“. Bisher haben ca. 1.000 Betroffene aus 10 Ländern von den Unterstützungsangeboten der Grünenthal-Stiftung Gebrauch gemacht (Stand: Dezember 2025).

Zusätzliche individuelle, bedarfsorientierte Unterstützung durch die Grünenthal-Stiftung

Die Grünenthal-Stiftung zur Unterstützung von Thalidomidbetroffenen setzt sich dafür ein, dass betroffene Menschen ihr Leben so selbstbestimmt und erfüllt wie möglich gestalten können. Dafür arbeitet sie auf zwei Ebenen: Sie unterstützt die Betroffenen direkt im Alltag. Und sie stärkt die Betroffenenverbände in ihrer Arbeit. So trägt sie dazu bei, konkrete Lebenssituationen Contergan-betroffener Menschen und die langfristigen Rahmenbedingungen für Teilhabe am täglichen Leben zu verbessern.

Die Stiftung finanziert individuelle Lösungen dort, wo es im Alltag am meisten zählt: Zuhause, im sozialen Umfeld, in der individuellen Lebenssituation. Dabei hat sie als „Lernende Organisation“ stets die Bedürfnisse der Betroffenen im Blick – pragmatisch und wirkungsvoll im Handeln.

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Das Team der Grünenthal-Stiftung kümmert sich um die Bedarfe der Betroffenen.

Die Grünenthal-Stiftung zu Unterstützung von Thalidomidbetroffenen wurde 2012 gegründet und integrierte damit die seit 2011 bestehende Härtefall-Initiative von Grünenthal.

 

Seit dem Bestehen hat die Stiftung rund 1.000 Betroffenen in mehr als 5.300 Fällen in 10 Ländern geholfen (Stand Dezember 2025).

1.550

Wohnumfeldanpassungen

410

Autoumbauten

2.360

Persönliche Begleitungen

Die Unterstützung wurde zudem in den vergangenen Jahren ausgebaut und angepasst, um die sich ändernden Bedarfe, pragmatisch und wirkungsvoll abzudecken.

Unterstützung, die Mobilität und Selbstständigkeit stärkt

Viele Thalidomid-betroffene Menschen haben im Laufe ihres Lebens Wege gefunden, körperliche Einschränkungen durch andere Bewegungsabläufe auszugleichen. Diese dauerhafte Kompensation hat jedoch bei vielen Betroffenen zusätzliche gesundheitliche Belastungen verursacht – besonders im Bereich von Rücken und Hüfte. Dadurch verlieren immer mehr Betroffene an Mobilität und stoßen im Alltag zunehmend auf Probleme: sowohl in den eigenen vier Wänden als auch beim Unterwegssein.

Mitarbeitende der Grünenthal-Stiftung haben in zahlreichen intensiven Gesprächen gelernt, wie entscheidend Mobilität und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu Hause für die Betroffenen sind. Deshalb konzentriert sich die Stiftung auf Unterstützung dort, wo sie den größten Unterschied macht: beim Wohnumfeld, bei Hilfen für den Alltag und bei der Mobilität außer Haus.

Küchen

Die Küche ist für viele Menschen das Herzstück ihres Zuhauses. Individuelle Anpassungen können entscheidend sein, damit sie langfristig selbstständig genutzt werden kann: zum Beispiel höhenangepasste Arbeitsplatten, absenkbare Küchenschränke oder optimierte Küchengeräte. Die Grünenthal-Stiftung fördert entsprechende Umbaumaßnahmen.

Bäder

Ein anderes zentrales Element eines autonomen Lebens ist die selbstständige Körperpflege. Die Stiftung finanziert daher auch den barrierearmen Umbau von Badezimmern, unter anderem durch begehbare Badewannen, Dusch-WCs, höhenverstellbare Waschbecken, Ganzkörperföne oder Armaturen, die mit den Füßen bedient werden können.

Fahrzeuge

Ein weiterer zentraler Bereich unserer Unterstützung fördert die Mobilität außer Haus. Für die meisten Betroffenen ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs nur schwer möglich. Das eigene Auto ist hier der Schlüssel zum Erhalt von Sozialkontakten und der Teilhabe am sozialen Leben. Deshalb unterstützt die Grünenthal-Stiftung die Finanzierung von Umbaumaßnahmen an PKW oder die Anschaffung von angepassten Fahrrädern.

Begleitung

Ob Besuche in Contergan-Kompetenzzentren, Treffen mit Freundinnen und Freunden, Termine bei der Familie oder Urlaubsreisen: Häufig sind Reisen für Betroffene nur mit persönlicher Begleitung möglich. Die Grünenthal-Stiftung übernimmt hierfür die Kosten für eine Begleitperson außerhalb des engen Familienkreises – für bis zu 14 Tage im Jahr plus 3 Tage für den Besuch eines medizinischen Kompetenzzentrums.

Über diese Leistungen hinaus ist die Stiftung stets offen, individuelle Bedarfe zu verstehen und Möglichkeiten der speziellen Unterstützung zu finden. Sie steht stets für einen Austausch zur Verfügung. Detaillierte Informationen zu weiteren Unterstützungsprojekten und Kontakte zu den Ansprechpartnerinnen und -partnern der Stiftung erhalten Sie auf der Stiftungs-Website.

Zur Website der Grünenthal-Stiftung

Die Zukunft gestalten: Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Contergangeschädigter

Mit der Grünenthal-Stiftung engagieren wir uns dafür, dass Contergan-betroffene Menschen auch mit zunehmendem Alter, möglichst selbstbestimmt leben können – wertgeschätzt, gehört und eingebunden. Dabei versprechen wir nicht, jedes Problem lösen zu können. Aber wir versprechen, zuzuhören, weiter zu lernen und die Arbeit der Stiftung stetig weiterzuentwickeln. Der Austausch im Dialogforum, das gemeinsame Projekt „Ort des Wissens“ und die enge Abstimmung mit dem Bundesverband sind wichtige Schritte auf diesem Weg.

Heute, mit dem fortschreitenden Alter der Betroffenen verändern sich auch ihre Bedürfnisse – oft verbunden mit zusätzlichen gesundheitlichen Herausforderungen. Wir passen unsere Unterstützung deshalb regelmäßig und realitätsnah an, um weiterhin wirkungsvoll zur Verbesserung der individuellen Lebenssituation der Betroffenen beizutragen.

 

Die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Contergangeschädigter e.V. hat in den vergangenen Jahren eine neue Qualität gewonnen. Was einst als informeller Austausch begann, ist heute ein fest verankerter Dialog. Mit dem 2023 gegründeten Dialogforum haben der Bundesverband und die Grünenthal-Stiftung einen dauerhaften Raum geschaffen, um gemeinsam an Maßnahmen zu arbeiten, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Hier werden Erfahrungen geteilt, Erwartungen offen angesprochen und Projekte entwickelt, die den Alltag vieler Menschen unmittelbar verbessern können.

Ein zentrales Ergebnis dieses Austauschs ist der Start des gemeinsamen Projekts „Ort des Wissens“. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Planung einer digitalen Plattform, die die Vernetzung der Betroffenen erleichtern, den Informationsaustausch mit Fachkräften unterstützen sowie das Vermächtnis der Thalidomid-Betroffenen erhalten soll. Sie richtet sich an Betroffene ebenso wie an Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und weitere Interessierte. Drei Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt: „Erinnern“ mit einer Sammlung historischer Fakten und Perspektiven als sichtbares Vermächtnis der Betroffenen, „Helfen“ mit medizinischen Informationen und Expert:innenwissen, und „Vernetzen“ als Marktplatz für Kontakte, Assistenzangebote und gegenseitige Unterstützung. Unter inhaltlicher Federführung des Bundesverbands Contergangeschädigter werden in gemeinsamen Workshops, Arbeitsgruppen und Interviews mit Expertinnen und Experten die nächsten Schritte vorbereitet.

Das Dialogforum bleibt darüber hinaus der Ort, an dem wir gemeinsam nach vorne schauen. Viele der Herausforderungen, die Contergan-Betroffene heute bewegen – Mobilität, Pflege, Barrierefreiheit, medizinische Versorgung – verändern sich mit dem Älterwerden. Gute Lösungen entstehen durch Austausch, Vernetzung und das ernsthafte Einbeziehen von Erfahrungen.

Aktuelles

Grünenthal begrüßt nationale Entschuldigung des australischen Premierministers für Thalidomidbetroffene

Am 29. November 2023 sprach Premierminister Anthony Albanese eine nationale Entschuldigung für die Rolle der australischen Regierung im Contergan-Skandal aus. Die Entschuldigung richtete sich an australische Contergan-Betroffene, die sich seit Jahren für eine Entschuldigung eingesetzt hatten.

Grünenthal-Stiftung und Bundesverband Contergangeschädigter kündigen Dialogplattform an

Der Bundesverband Contergangeschädigter e.V. und die Grünenthal-Stiftung haben eine neue Plattform für den gemeinsamen Dialog angekündigt.